Grenzgänge

Einladung_GrenzgängeSconfinamenti_def.NUR BILD

15. September 2018 – 3. Juni 2019

Grenzgänge: Julia Bornefeld & Michael Fliri
Die KünstlerInnen Julia Bornefeld und Michael Fliri kehren nach ihrer Teilnahme an der Landesausstellung von 2009 mit einer gemeinsamen Ausstellung auf die Festung Franzensfeste zurück

Mit der Ausstellung Grenzgänge: Julia Bornefeld & Michael Fliri setzt die Festung Franzensfeste den roten Faden zur zeitgenössischen Kunst fort und schafft gleichzeitig ein neues Format: Zwei KünstlerInnen beschäftigen sich im Dialog mit den geschichtsträchtigen Räumen der Franzensfeste und mit einigen der großen Themen der geplanten Dauerausstellung, im Fall von Bornefeld und Fliri sind dies vor allem die Themen Grenze und Grenzerfahrung.

Die Ausstellung „Grenzgänge“ kombiniert neu entstandene und ältere, für den Ort neu interpretierte Arbeiten von Bornefeld und Fliri auf Leinwand, Fotografien, Videoinstallationen und Skulpturen und setzt diese in ein Verhältnis zu den Räumlichkeiten der Festung und zueinander. Michael Fliri und Julia Bornefeld, beide zum Teil in Südtirol ansässig und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, stellten sich auf unterschiedliche Weise dieser künstlerischen Herausforderung:

Julia Bornefeld arbeitete im Herbst 2017 und im Frühjahr 2018 mehrere Monate auf der Festung und ließ sich vor Ort unmittelbar inspirieren. Für Bornefeld ist die Festung, die auf viele unnahbar und undurchdringlich wirkt, in diesen Monaten zu einer Verbündeten geworden. Die Verhältnisse vor Ort, der eisige Wind, der viele Schnee, die Dunkelheit und Einsamkeit, die omnipräsente Vergangenheit, die sich in tausenden Schicksalen in das Mauerwerk eingeschrieben hat, ließen Julia Bornefeld in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen gehen. Es sei ein Ort „zwischen Knast und Kirche“, als Ausstellungsort hätte die Festung heute das Flair der Galerien, wie sie nach dem Mauerfall in Berlin Mitte in ehemaligen Fabriken entstanden, sagt Bornefeld.

Ganz im Sinne der Theorie des Biologen Rupert Sheldrake, mit dem sich die Künstlerin intensiv auseinandergesetzt hat (die Theorie der morphischen bzw. morphogenetischen Felder besagt, dass sich Organismen gegenseitig durch ihre bloße Anwesenheit beeinflussen), sind in diesem Zeitraum drei Werkzyklen mit dem Titel „morphic fields“ entstanden, die in ihrer monochromen Farbigkeit sich in die Atmosphäre der winterlichen Franzensfeste einfügen.

Eine Auswahl dieser neuen Arbeiten auf Leinwand zusätzlich eines in Zusammenarbeit mit dem Filmkünstler Michael Beyer entstandenen Videos zu einer der Werkserien ist in der Ausstellung mit drei prägnanten skulpturalen Arbeiten kombiniert. „Ephemere“, ein schillerndes Lichtobjekt, das in Größe und Glanz an die Kronleuchter der Belle Epoche erinnert und erst bei näherem Betrachten zu erkennen gibt, dass es aus tausenden kupferfarbigen Ein-Cent-Münzen zusammengesetzt ist. Als solches steht es als prachtvolles Sinnbild für die Flüchtigkeit des Geldes und die Vergänglichkeit von Werten. „Alba“, ein in den Raum ragendes, aus verkohlten Holzlatten gezimmertes „Italien“, das in Referenz zur italienischen Kunstrichtung Arte Povera der endsechziger und siebziger Jahre auf die heutige Realität der aktuellen Migrationsströme anspielt. Und schließlich „Porifera“, eine schwebende Licht- und Soundinstallation, Hommage an die faszinierende Welt der Schwämme.

Wer Michael Fliris künstlerische Laufbahn bis heute verfolgt hat, kennt ihn vorwiegend als Performance-Künstler und weiß, dass der Begriff Grenzgänger (zwischen Orten, Künsten und Medien) auf ihn schon lange zutrifft. Grenzgänge vollzieht Fliri aber nicht nur zwischen den Kunstformen, indem er die Grenzen zwischen Film, Fotografie, Skulptur oder Sound auslotet, sondern vor allem innerhalb seiner Werke oder Werkserien. Den Zwischenraum immer wieder neu erfahrbar und sichtbar zu machen, etwa als der psychologisch hochspannende Hohlraum zwischen Gesicht und Maske in den Masken-Skulpturen von „Where do I end and the world begins“, oder als Hauch des Lebens in den beatmeten Bergspitzen der Fotoserie „My private fog II“, von diesem Anspruch scheint Michael Fliri geradezu besessen zu sein und scheut dafür auch vor keinen aufwendigen Handwerkstechniken zurück. Ganz neu in der Ausstellung ist die Fotoserie „The skin of an image“, für dessen Vexierbildfolgen der Künstler das Verfahren des Tiefziehens angewandt und thematisiert hat. Beständig aber auch mit feiner Ironie umkreist Fliri in den gezeigten Arbeiten also das Thema der Verwandlung, des Übergleitens in unterschiedliche Zustände, des Bei-sich-Seins und des Außer-sich-Geratens und erschafft dafür immer wieder neue, magische Szenerien. Auch die Rauminstallation „Archeological inflation“, an der Michael Fliri zusammen mit seiner Art Direktorin Antoinette Bader und einem Tiroler Glasläser bis wenige Tage vor der Eröffnung auf Hochtouren gearbeitet hat, feiert auf der Festung Franzensfeste Premiere. Aufgebahrt auf niederen Ledertischen leuchten mundgeblasene Glasballons unter Gittern hervor und verwandeln den Raum (auch) in eine sakrale Kultstätte, oder, noch einmal, in einen Ort „zwischen Knast und Kirche“.

Kuratiert wurde die Ausstellung „Grenzgänge: Julia Bornefeld & Michael Fliri“ von der Koordinatorin der Franzensfeste Esther Erlacher, die zusammen mit den KünstlerInnen für die Auswahl der Arbeiten und das Arrangement der Ausstellung in den Gebäudeteilen 33 und 35 der Unteren Festung verantwortlich zeichnet. Die Ausstellung läuft bis 3. Juni 2019.

Am Samstag, 29. September, um 11 Uhr, findet die Uraufführung von Michael Fliris Performance Polymorphic Archetypes im Rahmen des Festivals Transart statt.

Das Vermittlungsangebot speziell für Schulklassen der Mittel- und Oberschule finden Sie hier.

 

Julia Bornefeld

(Courtesy: Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck/Wien und Galerie Antonella Cattani Contemporary Art, Bozen)

 

Michael Fliri

(Courtesy: der Künstler und Galleria Raffaella Cortese, Mailand)