Die Festung

Bei ihrer Eröffnung im August 1838 galt die Franzensfeste als Kunstwerk österreichischer Kriegsarchitektur. Bombensicher, in den Details klug durchdacht, eine Talsperre, an der kein Heer vorbeikommen sollte. Doch es kamen keine Feinde und so wurde das Bauwerk in den darauffolgenden Jahrzehnten hauptsächlich als Depot genutzt.

Bis heute blieb die Franzensfeste ein magischer Ort, an dem sich spannende Geschichten kreuzten und kreuzen. Die Geschichte der österreichischen k. und k.-Doppelmonarchie hat hier genauso ihre Spuren hinterlassen wie jene des modernen Verkehrs. Mit zwei Zuglinien, einer Straße und einer Autobahn hat sich diese gleich mit vier Schneisen, die direkt durch die Festung verlaufen, verewigt. Und schließlich die Geschichte eines Goldschatzes, der im Zweiten Weltkrieg hier versteckt lag.

250000

Kubikmeter Granit

200000

Quadratmeter Festungsgelände

6200

Arbeiter im Einsatz

75

Meter Höhenunterschied

Seit 2005 ist die Franzensfeste für die Zivilbevölkerung zugänglich und wird für kulturelle Zwecke genutzt. Wurde die Festung Franzensfeste zunächst und über ein Jahrzehnt durch das Konsortium Beobachtungsstelle verwaltet, gehört sie seit Januar 2017 als eines der zehn Landesmuseen zum Betrieb Landesmuseen der Provinz Südtirol. Die Festung beherbergt jährlich mehrere Sonderausstellungen sowie zahlreiche kulturelle Veranstaltungen.

Geplant und gebaut zwischen 1833 und 1838, war die Franzensfeste eine der sichersten Festungen des Alpenraums. Die 65.000 Quadratmeter große Festung verfügt über ein gigantisches Labyrinth aus Räumen, Gängen und Treppen und erstreckt sich über eine Geländefläche von mehr als 20 Hektar. Die Anlage wurde nach den Bauplänen von Ingenieur Franz von Scholl gebaut. Sie ist dem Gelände angepasst und besteht aus drei Forts. Die Obere Festung thront wie eine Akropolis über der gesamten Anlage. Zu ihr führt von außen ein Zufahrtsweg.

Die direkte Verbindung zur Unteren Festung verläuft unterirdisch über eine spektakuläre Treppe, bestehend aus 451 Stufen. Die äußere Form der gesamten Anlage hat viele Ecken mit spitzen Winkeln, jedes Element hat standardisierte Maße. Auch die Fassaden mit ihren Scharten und den bogenförmigen Öffnungen für die Geschütze bestehen aus sich wiederholenden Elementen.

Damit markiert die Festung den Beginn einer seriellen Architektur, wie sie in der so genannten Ingenieursbaukunst üblich ist. Durch die konsequente Reduzierung auf die Funktion bei gleichzeitig hoher handwerklicher Präzision präsentiert sich uns heute ein überraschend modernes Bauwerk. Die Untere sowie die Mittlere Festung wurden durch zeitgemäße Architektureingriffe für die moderne Nutzung adaptiert.

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