1918 – 2018: welches Gedenken?

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9. November 2018

 

1918 – 2018: welches Gedenken?
Ein kritisch-reflexiver Abend zum Jubiläumsjahr 2018

Jubiläen, die sich auf Kriege beziehen, sind heiße Kartoffeln, die niemand so recht weiß, wie sie in die Hand nehmen und die entsprechend allzu leicht den grobschlächtigen Pratzen patriotisch-militaristischer Zirkel überlassen werden. Zumal in Südtirol, für das das Gedenken an das Jahr 1918 die Fragen zur eigenen Identität und traumatischen Konstituierung immer wieder aufs Neue aufwühlt. Das Landesmuseum Festung Franzensfeste, selbst ein eminent kriegerisch besetzter Ort mit dem aktuellen Bestreben, dieses Erbe als Institution subversiv umzumünzen, will Fragen und Zögerlichkeiten im Zusammenhang des Gedenkens des Kriegsendes des 1. Weltkriegs zur Diskussion stellen und veranstaltet dazu am 9. November einen Abend mit Expertinnen und Experten.

Unter der Leitung der Journalistin Renate Mumelter diskutieren der Historiker Hannes Obermair, dessen Thesen eines „geschichtsblinden wie ebenso geschichtsversessenen Südtirols“ neulich in der Wochenzeitung FF aufhorchen ließen, die Volkskundlerin, Germanistikprofessorin an der Universität Venedig und Mitherausgebern des demnächst erscheinenden Sammelbandes: „Südtirol-Alto Adige: 1918-2018“ Ulrike Kindl, der Kenner der Zeitgeschichte Südtirols und Autor Giorgio Mezzalira und der Künstler Hannes Egger, dessen Erinnerungsprojekt „Project Terra“ den Anlass zur Veranstaltung gegeben hat.

Zum Auftakt des Abends zeigt Hannes Egger die filmische Dokumentation seines von 2014-2018 auf der Franzensfeste stattgefundenen Erinnerungsprojekts „Project Terra“. Im Zentrum des Projekts standen Erde von einem Kriegsschauplatz in Galizien und jedes Jahr aus dieser Erde geerntete Kartoffeln. Als Sinnbild für Tod und Leben. Anschließend an die Podiumsdiskussion lädt Hannes Egger zu einer Kartoffelsuppe nach historischem Rezept, eine Kochperformance, sozusagen zur Verdauung der Geschichte.

Weniger um Verdauung als vielmehr um Aufarbeitung von Kriegstraumata und die nachhaltige Unterstützung von Opfern sexualisierter Gewalt in Kriegsgebieten geht es der Frauenrechts- und Hilfsorganisation Medica Mondiale. Ihrer Begründerin, der aus Südtirol stammenden Gynäkologin Monica Hauser, haben die Filmemacherinnen Edith Eisenstecken und Evi Oberkofler anlässlich des 25jährigen Bestehens einen Film gewidmet, der zum Abschluss des Abends gezeigt und damit einer Kämpferin gegen patriarchale Strukturen das letzte Wort überlassen wird.

Programm:

18:00 Uhr: Project Terra. Eine Dokumentation (Video, 10 min.)
18:30 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema: 1918-2018: welches Gedenken?
Mit: Hannes Obermair, Ulrike Kindl, Giorgio Mezzalira und Hannes Egger. Moderation: Renate Mumelter
19:30: Kartoffelsuppe nach historischem Rezept
20:30: „Monika Hauser. Ein Filmportrait“ (86 Min.) in Anwesenheit der Filmemacherinnen

Eintritt: 10 €